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Berlin: „Prügelprämie“ für Polizisten? Polizeiwissenschaftler kritisiert Gewerkschaft

Immer wieder geraten Polizisten bei ihren Einsätzen zwischen die Fronten. Eine Gewerkschafft will, dass in solchen Fällen Geld fließt.

Berlin Polizei
© IMAGO/A. Friedrichs

Sicherheit für Berlin: Polizei, Feuerwehr und Co.

Sie sollen in Berlin für Sicherheit sorgen: Polizei, Feuerwehr und Co. Bei der Berliner Polizei sind derzeit über 27.000 Bedienstete beschäftigt. Jeden Tag gehen über den Notruf 110 in der Einsatzleitzentrale 3.700 Anrufe ein. Das sind 1,34 Millionen Anrufe im Jahr.

Es gehört zu ihrem beruflichen Alltag: Wenn Polizisten in Berlin für Ordnung sorgen, geraten sie dabei auch immer wieder zwischen die Fronten. Sie werden angegriffen oder beleidigt. Im vergangenen Jahr gab es laut offizieller Statistik 8726 Delikte gegen die persönliche Freiheit und körperliche Unversehrtheit von Polizisten.

Daran angeknüpft kommt der Berliner Ableger der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) nun mit einer ungewöhnlichen Forderung um die Ecke. Der Staat soll Polizisten, die im Dienst körperlich angegriffen werden, mit 2000 Euro pro Angriff entschädigen. Für Beleidigungen soll es noch 1000 Euro geben. Polizeiwissenschaftler Rafael Behr kritisiert diese Forderung.

Berliner Polizeigewerkschaft fordert „Prügelprämie“

Gegenüber BERLIN LIVE erklärte der Hamburger Professor für Polizeiwissenschaften: „Die Gewerkschaften lassen im Moment nichts unversucht, um mehr Geld für die Polizisten herauszuschlagen. Auch mit diesem Beispiel werden sollen Belastungen der Polizist*innen kapitalisiert werden.“


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Auch in Hamburg hätte die DPolG schon einmal ähnliches versucht. „Angriffsentschädigung“ hieß es damals in der Forderung. Auch von einer „Prügelprämie“ war die Rede. Dort habe der Hamburger Senat diese Forderung bereits zurückgewiesen, wie der NDR berichtet.

Laut Behr ist es nicht das erste Mal, dass Gewerkschafter versuchen, die Belastungen der Polizei zu monetarisieren. In Hamburg habe es mal eine Prämie für die Rettung von Menschen gegeben. Diese sei aber wieder abgeschafft worden, nachdem immer mehr selbstverständliche Kontakte mit Personen zu Rettungseinsätzen stilisiert worden seien.

Polizeiforscher: Prämie regt zum Missbrauch an

Ein ähnliches Vorgehen befürchtet Poliozeiforscher Behr nun auch bei der nun angedachten Prämie. Er sehe die Gefahr, dass „gewaltgeneigte Situationen bewusst eskaliert werden, um in den Genuss der Entschädigung zu kommen“. Einige Polizisten könnten Situationen, in denen sie Gewalt ausgesetzt sind, geradezu herstellen, fürchtet er.


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So etwas sei von sogenannten „Widerstandsbeamten“ bekannt. Diese gebe es natürlich nicht offiziell, sie würden aber gezielt Auseinandersetzungen provozieren, um eine Widerstandsanzeige zu schreiben. Auf diese Weise könne aus einer „Prügelprämie“ eine „Verprügel-Prämie“ werden. Das sei „das letzte, was das Vertrauen in die Polizei stärken würde“.