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Miete in Berlin: Eigenbedarf? Detektiv überführt unehrliche Vermieter

Mieter in Berlin werden immer öfter wegen Eigenbedarf gekündigt. Häufig ist das aber nur ein falscher Vorwand. Ein Privatdetektiv kann helfen.

Miete in Berlin
© IMAGO/Westend61

Miete in Berlin: Wohnen wird immer teurer

Berlin war mal ein gutes Pflaster für günstige Mieten. Doch diese Zeiten sind längst vorbei. Seit dem Jahr 2012 haben sich die durchschnittlichen Wohnungspreise in der Hauptstadt von 6,65 Euro pro Quadratmeter auf 12,92 Euro pro Quadratmeter verdoppelt.

In Berlin eine Wohnung zu finden, ist wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Meist kommen hunderte Bewerber auf ein Objekt. Gleichzeitig sind die Mieten in Berlin so hoch, dass sie für viele kaum bezahlbar sind.

Doch es ist eine Sache, wenn man die ewige Sucherei und Massenbesichtigungen auf sich nimmt, weil man sich freiwillig räumlich umorientieren möchte oder weil man aus seiner alten Wohnung ausziehen muss, weil der Vermieter einem wegen Eigenbedarf kündigt. Letzteres ist für immer mehr Menschen in Berlin leider traurige Realität. Was viele nicht wissen: Die Kündigung ist oft nicht rechtmäßig. Um das zu beweisen, kann ein Privatdetektiv helfen. Tief in die Tasche muss dafür aber keiner greifen.

Miete in Berlin: Zahl der Eigenbedarfskündigungen steigt

Einer von ihnen erklärt sein Handwerk gegenüber dem „Tagesspiegel“. Sein Spezialgebiet sind vorgetäuschte Eigenbedarfskündigungen. Zu ihm kommen Menschen, die einen ersten Verdacht haben und nicht glauben, dass etwa die pflegebedürftige Oma des Vermieters in die Wohnung im vierten Stock ziehen möchte. Und oft liegen sie damit genau richtig: „Die Betroffenen haben meistens einen guten Riecher“, erklärt er gegenüber dem Blatt. Von seinen Fällen haben im Schnitt etwa 90 Prozent der Klienten Recht mit ihrer Vermutung.

Laut dem Detektiv, der im „Tagesspiegel“ „Herr Wegner“ genannt wird, ist die Zahl der Kündigungen aufgrund von Eigenbedarf in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Das bestätigt auch der Berliner Fachanwalt für Mietrecht Benjamin Raabe. Der Grund ist simpel: „Eine Eigenbedarfskündigung ist die einzige Möglichkeit, wie man als Vermieter einen vertragstreuen Mieter loswerden kann.“ Gerade bei alten Mietverträgen ist das aber sehr attraktiv, schließlich könne man bei neuen Mietern weitaus höhere Preise verlangen.


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So geht der Detektiv vor

Doch wie kann ein Privatdetektiv genau helfen? Damit ein Anwalt das Schreiben des Vermieters anfechten kann, braucht er Beweise. Hier kommt dann der Detektiv ins Spiel. Er trägt dafür zunächst allgemeine Informationen zu der Person zusammen, die in die Wohnung ziehen soll. Den Namen findet er dabei in der Kündigung selbst, denn das ist eine Pflichtangabe.

Danach durchforstet er das private und berufliche Umfeld der Person. Dafür sind zum Beispiel „Anfragen beim Handels- und Melderegister sowie Recherchen auf Social Media“ notwendig, so der „Tagesspiegel.“ Insgesamt sei Herr Wegner nur etwa die Hälfte der Zeit draußen unterwegs. Dann zieht er „mit Stift, Block und Handy los, um Namen an Briefkästen zu überprüfen, bei Nachbarn zu klingeln, mit Hausverwaltungen zu reden.“ Auch Informationen aus dem direkten Umfeld des angekündigten Nachmieters sind sehr hilfreich.


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Wichtig ist laut Wegner dabei die Frage: „Wie kann ich die Menschen öffnen, motivieren, Vertrauen gewinnen, sie von der Sache überzeugen?“ Das braucht Übung, doch nach etwa 30 Jahren Erfahrung als Detektiv hat der ehemalige Koch den Dreh raus. „Aber zuvor heißt es, diese wichtigen Informanten überhaupt zu finden. Kontakt herzustellen – das ist oft der schwierigere Teil.“

Insgesamt koste ein Auftrag bei ihm etwa 1000 bis 1500 Euro. Im Vergleich zu den Kosten eines Umzugs oder dem Stress einer Wohnungssuche mit bezahlbarer Miete in Berlin ist dieser Preis erschwinglich.