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Clans in Berlin: Bushido-Prozess geht zu Ende – das Urteil macht fassungslos

Am 114. Verhandlungstag im Bushido-Prozess war es endlich soweit: Der Richter verkündete das Urteil. BERLIN LIVE war vor Ort.

© IMAGO/Olaf Wagner

Clans in Berlin: Diese Großfamilien halten die Polizei auf Trab

Der 5. Februar 2024 – auf diesen Tag wurde rund dreieinhalb Jahre hin gefiebert. Genauer gesagt seit August 2020. So lange stehen sich Bushido und sein einstiger Geschäftspartner und Kumpel Arafat Abou-Chaker bereits vor dem Berliner Landgericht gegenüber.

Am 5. Februar 2024 ging der Mammut-Prozess endlich zu Ende. Der Vorsitzende Richter verkündete das Urteil. BERLIN LIVE war ebenfalls vor Ort.

Clans in Berlin: Bushido-Prozess sorgt für Aufsehen

Das mediale Aufkommen war enorm. Innerhalb weniger Stunden nach der Bekanntgabe des letzten Verhandlungstages waren die Plätze in Saal 500 restlos belegt. Bereits bei der Sicherheitskontrolle am Eingang wurde es eng. „Stative und Tonangeln sind aus Sicherheitsgründen nicht zugelassen“, teilte eine Sprecherin des Gerichts schon im Voraus mit. Während die Journalisten also Schlange standen, gönnten sich Arafat und seine Brüder im Café gegenüber noch eine kleine Stärkung.

Wer sich all den Stress offenbar gar nicht erst geben wollte: Bushido. Nach seiner Aussage ließ sich der Zeuge und Nebenkläger nicht mehr im Laufe des Strafverfahrens blicken. Die Angeklagten rund um Arafat Abou-Chaker und seine Brüder Nasser, Yasser und Rommel hingegen schon. Die vier Clan-Mitglieder waren an den zuvor 113 Verhandlungstagen vor Ort.

Clans in Berlin: Urteil für Arafat und seine Brüder verkündet

Doch die Anwesenheit zahlte sich nicht aus, zumindest was den Eindruck der Staatsanwaltschaft betrifft. In ihrem Plädoyer forderte Staatsanwältin Petra Leister für die Clan-Brüder jedenfalls Haft. In Arafats Fall vier Jahre, drei Monate und eine Woche Haft. Die Verteidigung plädierte hingegen auf Freispruch.


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Am 114. Verhandlungstag lag die Entscheidung unter anderem wegen versuchter schwerer räuberischer Erpressung, Freiheitsberaubung, Nötigung sowie gefährlicher Körperverletzung und schwerer Untreue nun also beim Vorsitzenden Richter. Das Urteil lautet: Freispruch für Arafat – und auch seine drei Brüder.

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Das Landgericht Berlin sah es am Montag nicht als erwiesen an, dass der 47-Jährige den Rapper zur Zahlung von Millionenbeträgen erpressen wollte. Das Gericht verurteilte Arafat Abou-Chaker wegen 13 Taten innerhalb von 13 Monaten zu einer Geldstrafe von 81.000 Euro (90 Tagessätze à 900 Euro). Große Erleichterung war in den Gesichtern der Angeklagten nicht zu sehen – ein stummes Zunicken schien den Geschwistern offenbar zu reichen, ihre Freude über die entkommene Zeit hinter Gittern auszudrücken.

Clan-Mitglied Arafat dankt seinem Anwalt

„Endlich hat die Gerechtigkeit gesiegt“, verkündete Arafat dann allerdings beim Hinausspazieren aus dem Gerichtssaal an der Seite seines Anwalts. Ohnehin sprach das Clan-Mitglied seinen Dank der gesamten Verteidigung aus, die ihm über diese lange Zeit stets zur Seite stand. Und nicht nur das – auch prominente Gäste ließen sich zur Urteilsverkündung im Publikum blicken: So fieberten beispielsweise auch Rapper Fler und Musikerkollege Ali Bumaye dem Ende des Prozesses entgegen.

Kurze Zeit nach der Urteilsverkündigung traf BERLIN LIVE Arafat nochmals im Café gegenüber des Gerichtsgebäudes an. Was er nach dem Freispruch als erstes macht? „Ich werde Richter“, scherzte der Berliner mit libanesischen Wurzeln. Gut möglich – immerhin mussten sich Arafat und seine Brüder in den vergangenen dreieinhalb Jahren so einige juristische Formulierungen anhören.

Arafat feiert Urteilsverkündung mit seinen Freunden

Tatsächlich wolle er den Tag nun aber erstmal entspannt mit seinen Kumpels ausklingen lassen. Denn auch wenn der Schein trügt, sei Arafat nicht komplett entspannt in den Verhandlungstag spaziert: „Die Entscheidung liegt ja am Ende immer beim Gericht. Aber endlich hat man gesehen, dass er ein Schauspieler ist.“ Und mit er meinte Arafat in diesem Fall Bushido. Ob dieser das Urteil wohl so akzeptieren wird? Arafat wolle abwarten, ob sich der Rapper ein weiteres Mal traut, gegen ihn und seine Brüder zu schießen.