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Europawahl: 18-Uhr-Prognose immer fragwürdiger? ARD und ZDF haben dieses Problem

Seit Jahren ist es Tradition: Punkt 18 Uhr, direkt nach Schließung der Wahllokale, präsentieren ARD und ZDF die erste Prognose der Wahlergebnisse. Auch für die Europawahl am Sonntag ist das geplant. Diese Prognose basiert auf Nachwahlbefragungen, bei denen Wählerinnen und Wähler direkt nach der Stimmabgabe interviewt werden.Doch genau hier liegt ein wachsendes Problem! Immer mehr […]

Die Europawahl 2019 steht an. Ist sie undemokratisch?
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Briefwahl: Ablauf und wertvolle Tipps

Rund ein Viertel der deutschen Wähler sind mittlerweile Briefwähler – denn das Wählen per Post ist kostenlos und flexibel. Doch wie läuft eine Briefwahl eigentlich ab?

Seit Jahren ist es Tradition: Punkt 18 Uhr, direkt nach Schließung der Wahllokale, präsentieren ARD und ZDF die erste Prognose der Wahlergebnisse. Auch für die Europawahl am Sonntag ist das geplant. Diese Prognose basiert auf Nachwahlbefragungen, bei denen Wählerinnen und Wähler direkt nach der Stimmabgabe interviewt werden.

Doch genau hier liegt ein wachsendes Problem! Immer mehr Menschen entscheiden sich für die Briefwahl und stehen damit für solche Befragungen nicht zur Verfügung. Das wirkt sich auch auf die berühmte 18-Uhr-Prognose aus.

Steigende Briefwahlzahlen

Die Zahl der Briefwählerinnen und Briefwähler hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Bei der Europawahl 2019 nutzten 28 Prozent diese Möglichkeit, bei der Bundestagswahl 2021 waren es sogar 47,3 Prozent – sicherlich auch beeinflusst durch die Corona-Pandemie. Nicht nur ältere Menschen nutzen die Briefwahl. Auch für junge, mobile Menschen wird sie aus zeitlichen Gründen immer beliebter. Wie viele Menschen bei der Europawahl per Brief ihre Stimme abgeben, ist noch unklar.

Diese Entwicklung stellt die Meinungsforscher vor große Herausforderungen. Wie sollen sie um 18 Uhr eine präzise Prognose abgeben, wenn fast die Hälfte der Stimmen aus Briefwahlstimmen kommen, die erst später ausgezählt werden?

Drei Quellen

Stefan Merz von Infratest dimap versichert gegenüber dem „MDR“ dennoch, dass es auch zur Europawahl am 9. Juni um 18 Uhr eine Prognose geben werde. Diese werde allerdings keine direkten Nachwahlbefragungen von Briefwählern enthalten. Merz betont: „Die Briefe mit den Wahlzetteln der Briefwähler werden nicht vor 18 Uhr geöffnet.“

Um dennoch eine möglichst genaue Prognose erstellen zu können, greift Infratest dimap auf diese drei Informationsquellen zurück. Erstens werden Erfahrungen aus früheren Wahlen genutzt, um Muster und Trends zu erkennen.

Briefwahl oder nicht?

Zweitens werden in Vorwahlbefragungen gezielt Informationen darüber erhoben, ob die Befragten ihre Stimme per Briefwahl abgeben wollen oder bereits abgegeben haben. Diese Daten sollen einen ersten Hinweis auf das mögliche Wahlverhalten der Briefwähler geben.

Drittens wird am Morgen des Wahlsonntags in ausgewählten Wahlbezirken ermittelt, wie viele Wahlberechtigte Briefwahlunterlagen beantragt haben. Diese Informationen fließen in mathematische Modelle ein, mit deren Hilfe dann die Prognose erstellt wird. Das bedeutet aber auch, dass die 18-Uhr-Prognose mit einer gewissen Unsicherheit behaftet ist!



Später den Fernseher einschalten

Mit der Auszählung der Stimmen nach 18 Uhr fließen die Ergebnisse aus den Briefwahlbezirken dann aber in die Hochrechnungen ein. Die Hochrechnungen werden also im Laufe des Abends immer genauer und geben ein immer präziseres Bild des Endergebnisses wieder.

Wer also am Sonntag etwas später den Fernseher einschaltet, bekommt auch eine genauere Prognose! In den letzten Jahren hat sich aber gezeigt, dass die 18-Uhr-Wahlprognose immer noch einen Trend vorhersagen kann.