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Berlin: Streiks in Kitas – droht eine Krise wegen Personalmangel?

Immer wieder legen die Erziehenden in und um Berlin die Arbeit nieder. Für Eltern ist das eine Katastrophe. Könnte es noch schlimmer werden?

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Der Frust bei den Erziehenden in den Berliner Kitas steigt. Immer wieder gingen sie in den vergangenen Monaten auf die Straße, um für bessere Arbeitsbedingungen und mehr Lohn zu streiken. Eine Einigung für die Beschäftigten im Öffentlichen Dienst konnte dennoch bisher nicht vereinbart werden.

Gleichzeitig geht aus einer am Mittwoch (28. November) veröffentlichten Studie der Bertelsmann Stiftung hervor, dass in Deutschland rund 430.000 Kita-Plätze fehlen – trotz des Rechtsanspruchs auf einen Betreuungsplatz ab dem 1. Geburtstag. In den westdeutschen Bundesländern fehlen demnach 385.900 Plätze, in Ostdeutschland besteht dagegen eine Lücke von etwa 44.700 Kita-Plätzen. Laut den Autoren der Studie ist dabei besonders der Personalmangel ein gravierendes Problem. Doch wie ist die Lage in der Hauptstadt?

Berliner Familien suchen teils lange nach Kita-Plätzen

Auf Anfrage von BERLIN LIVE erklärt die Sprecherin der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, Susanne Gonswa, dass die Situation in Berlin noch nicht so angespannt sei, wie in anderen Ländern. „Derzeit stehen in den 2.900 Berlin Kitas rund 187.000 Plätze zur Verfügung, davon sind 166.600 belegt. Das entspricht einer Auslastungsquote von 86,8 %“, so Gonswa.

Berlin
Am Dienstag (28. November) haben in Berlin viele Erzieher gestreikt (Symbolbild). Credit: IMAGO/IPON

Doch „aufgrund wachsender Bezirke lassen sich auch erhöhte Anfragen registrieren.“ Das betrifft vor allem die Außenbezirke. Laut Aziz Bozkurt, Staatssekretär für Jugend, Familie und Schuldigitalisierung, kann das dafür sorgen, dass Eltern in unterversorgten Stadtteilen „lange und intensiv nach einem Kita-Platz suchen müssen.“

Stadt will Erziehende unterstützen

Gonswa gibt hier Entwarnung, denn auch „die Zahl der Betreuungsplätze ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich angestiegen.“ Zusätzlich gibt sie zu bedenken, dass die Wahl der Kita frei ist und diese nicht zwingend in Wohnortnähe sein muss. „Sie kann auch strategisch günstig, beispielsweise auf dem Weg zur Arbeitsstätte liegen“, so die Sprecherin.


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Anders als in der Studie festgestellt, sei ein Personalmangel in der Hauptstadt derzeit nicht gegeben. Sowohl die städtischen als auch diejenigen Kitas, hinter denen freie Trägern stehen, seien personell gut abgedeckt, erklärt Gonswa. Die Sorgen und Nöten der Erziehenden werde aber dennoch von der Verwaltung wahrgenommen. So wolle man Führungskräfte beispielsweise durch die Anstellung von Verwaltungsassistenten entlasten. Zusätzlich wolle man den Quereinstieg erleichtern, indem zum Beispiel „Anerkennungsverfahren für qualifizierte Menschen aus dem Ausland wie aus der Ukraine vereinfacht“ wurden.

Kitas sollen zukunftsfähig werden

Die Sprecherin signalisiert außerdem Dialogbereitschaft. „Erst am Montag (27. November) trafen wir uns mit knapp 200 Vertretern aus der Kita-Landschaft wie Trägern, Fachkräften, Bezirksvertretern, Elternvertretungen, Fachschulen, Gewerkschaften und Wissenschaft, Bündnissen und Fachgruppen auf dem Kita-Gipfel zum Austausch darüber, wie wir Kitas zukunftsfähig machen“, so Gonswa. Thematisch ging es dabei zum Beispiel um den Wunsch nach Teilzeitmodellen sowie Digitalisierungsmöglichkeiten. Eine Fokussierung auf eine Lohnsteigerung sieht die Senatsverwaltung dagegen nicht als sinnvoll.


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„Eine angemessene Bezahlung ist wichtig, aber allein reicht das nicht aus, um Fachkräfte zu halten. Anerkennung, Selbstvertrauen, gutes Arbeitsklima, flexible Arbeitszeiten sowie Möglichkeiten zur Weiterbildung sind ebenso entscheidend für die Zufriedenheit im Beruf“, teilt Gonswa schriftlich mit.

Nun sollen aus den Erkenntnissen des Gipfels in Zusammenarbeit mit den Trägern „Möglichkeiten zur Verbesserung ausgelotet und umgesetzt werden.“ Wann und in welcher Form das stattfinden soll, ist derzeit noch unklar.