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Görlitzer Park als Ort des Schreckens: Berliner uneins – hilft hier Polizei oder nicht?

Der schreckliche Vorfall aus dem Juni wirkt in Berlin noch nach. Doch wie das Sicherheitsproblem im Görlitzer Park gelöst werden kann, ist noch unklar.

Görlitzer Park
© Imago/Emmanuele Contini, Christian Spicker

Sicherheit für Berlin: Polizei, Feuerwehr und Co.

Sie sollen in Berlin für Sicherheit sorgen: Polizei, Feuerwehr und Co. Bei der Berliner Polizei sind derzeit über 27.000 Bedienstete beschäftigt. Jeden Tag gehen über den Notruf 110 in der Einsatzleitzentrale 3.700 Anrufe ein. Das sind 1,34 Millionen Anrufe im Jahr.

Der Schock sitzt bei Anwohnern und Besuchern der Görlitzer Parks noch immer tief. Mehrere Drogendealer hatten im Juni ein Paar überfallen und die junge Frau vor den Augen ihres Freundes vergewaltigt.

Einer von ihnen sitzt inzwischen in Untersuchungshaft, wie die Polizei mitteilte. Doch es war längst nicht die erste Tat in diesem Jahr. Entsprechend suchen Politik und Gesellschaft nun nach Lösungen, um den Park zu einem sichereren Ort zu machen. Doch bei der Frage nach dem „wie“ gehen die Meinungen auseinander.

Wie wird der Görlitzer Park sicher?

Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik warf gegenüber der Nachrichtenagentur gleich mehrere Maßnahmen in den Raum. Es würde der Polizei helfen, den Görlitzer Park einzuzäunen und nachts zu schließen, erklärte sie. So funktioniere es auch beim Tempelhofer Feld.

Zudem ist sie sicher: Allein durch polizeiliche Maßnahmen werde sich die Situation nicht verbessern. Sie fordert unter anderem „städtebauliche Maßnahmen, tragfähige Konzepte für Beleuchtung, Müllentsorgung, Toiletten, Spielplätze, um den Görli als für alle sichere Grünanlage zu nutzen“. Zudem forderte sie mehr „Sozialarbeit für die Drogen- und Obdachlosenszene“.

Dass es schnell zu einer Lösung kommt, glaubt sie allerdings nicht. Sie verweist auf einen fehlenden gesellschaftlichen Konsens zum Görlitzer Park. Das gelte insbesondere für die Anwohner. Einige würden beispielsweise mehr Polizeipräsenz begrüßen, andere lehnen sie hingegen vehement ab.

Viele meiden den Görlitzer Park nachts

Tatsächlich zeigt sich genau dieser Gegensatz vor Ort. Viele Menschen, die man fragt, geben an, den Görlitzer Park nachts zu meiden. In der „Bild“-Zeitung berichtet ein Vater davon, dass sein Kind direkt mit der Drogenszene in Berührung komme. Auf dem Spielplatz finde er Fixerspritzen oder Drogen – oder beobachte im Hausflur Konsumenten beim Spritzen. Er kritisiert: Alle Maßnahmen der letzten Jahre seien verpufft.


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Einen Hilferuf nach mehr Polizei formuliert er hingegen nicht. Diese Forderung wurde zuletzt neben dem Ruf nach Video-Überwachung aus den Reihen der CDU laut. Allerdings scheinen sich viele vor Ort sicher, dass mehr Uniformierte die Probleme des Parks nicht lösen können. Dealer und Süchtige ließen sich so zwar verdrängen, ihre Probleme, eine andere Arbeit zu finden oder von dem Stoff wegzukommen, seien damit aber nicht gelöst, sagte auch der besorgte Vater der „Bild“.

Görlitzer Park: Mutter kritisiert Polizeigewalt

Und ein weiteres Problem kommt für viele Anwohner hinzu. Im „Tagesspiegel“ erklärte eine Mutter, die regelmäßig mit ihrem Kind im Görlitzer Park ist, dass sie bedrohliche Situationen vor allem in Form von Polizeigewalt erlebe. Auch eine andere Mutter sprach gegenüber dem Blatt von „rassistischen Polizeikontrollen“. Sie dürften sich eher nicht für eine erhöhte Polizeipräsenz aussprechen.


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Sicher ist: Im Görlitzer Park treffen viele Probleme aufeinander. Drogensucht, die Auswirkungen fehlender Arbeitserlaubnisse, Armut und Reichtum kommen sich im Viertel rund um den Park sehr nahe. Zudem ziehen immer wieder betrunkene Party-Touristen durch den Kiez. Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik will ganz offenbar nicht nur eigene Personal-Ressourcen schonen, wenn sie sagt: „Alle zuständigen Behörden, aber auch die Zivilgesellschaft sind gleichermaßen gefordert.“