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Berlin: Drug-Checking bringt Klarheit – so verunreinigt sind Drogen in der Hauptstadt

Seit Juni können in Berlin im Rahmen des Drug Checkings Drogen zum Testen auf deren Reinheit abgeben werden – mit erschreckenden Details.

© imago/Bernd Friedel

Sicherheit für Berlin: Polizei, Feuerwehr und Co.

Sie sollen in Berlin für Sicherheit sorgen: Polizei, Feuerwehr und Co. Bei der Berliner Polizei sind derzeit über 27.000 Bedienstete beschäftigt. Jeden Tag gehen über den Notruf 110 in der Einsatzleitzentrale 3.700 Anrufe ein. Das sind 1,34 Millionen Anrufe im Jahr.

Berlin ist nicht nur die Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland, sondern auch eine Hochburg in Sachen Drogen. Wenn man den zahlreichen Statistiken Glauben schenkt, so soll der Konsum der Rauschmittel in den vergangenen fünf Jahren in der Metropole immer weiter angestiegen sein.

Neben Cannabis scheinen auch Kokain und Amphetamine wie Ecstasy und Crystal Meth immer mehr im Trend zu sein. Doch ob es sich beim Rauschgift vom Dealer des Vertrauens um „gute Ware“ handelt? Diese Frage kann dank des Angebots von Drug-Checking beantwortet werden – allerdings mit erschreckenden Einzelheiten.

Drug Checking in Berlin mit hoher Nachfrage

Seit dem 6. Juni läuft das Drug-Checking in Berlin auf Hochtouren. An vorerst drei Standorten kann immer dienstags getestet werden. Dazu muss lediglich eine Probe der Droge abgegeben werden, die anschließend im Labor analysiert wird. Wenige Tage später folgt das Ergebnis.

Doch das dürfte nicht immer erfreulich sein, wie Suchtberaterin Anette Hofmann von der Beratungsstelle „Fixpunkt – Druckausgleich“ – einem der drei Drug-Checking-Standorte –gegenüber BERLIN LIVE klarstellte: Rund ein Drittel der zum Test eingereichten Substanzen sei nämlich verunreinigt.

Berliner Teststellen für Drogen sprechen Warnungen aus

Um andere Konsumenten vor der möglicherweise gesundheitsschädlichen Einnahme zu warnen, veröffentlicht Drug-Checking auf seiner Website regelmäßig Warnungen. Die meisten Fälle: hochdosiertes MDMA, das jedoch als deutlich harmlosere Substanz verkauft wird. Auch die sogenannte „Blue Punisher“, an deren Folgen bereits zwei junge Mädchen verstarben, wird immer wieder beim Drug-Checking abgegeben.

„Man denkt ja immer, wenn eine Blue Punisher hochdosiert ist, dann sind es alle – das ist aber total unterschiedlich“, erklärte die Expertin. Das Problem sei, dass „Pille eben nicht gleich Pille“ ist. Rein optisch ist eine Beurteilung der Reinheit ohnehin nicht möglich.

Berliner wollen sich vor Festivalsaison absichern

Doch wer greift überhaupt auf das Test-Angebot in Berlin zu? „Hauptsächlich wird das Angebot von jungen Menschen genutzt“, verriet Hofmann. Besonders in der laufenden Festivalzeit wolle die Mehrheit vor dem Besuch der Konzerte ihre Substanzen checken lassen. Das bedeutet einen enormen Ansturm auf die Teststationen.

Oftmals kommt es auch vor, dass Personen wieder weggeschickt werden müssen, weil die Kapazitäten der Labore ausgeschöpft sind. Und das, obwohl derzeit noch gar nicht alle Betäubungsmittel zum Check zugelassen sind. „Wir dürfen momentan Cannabis nur entgegennehmen, wenn der Verdacht besteht, dass dort synthetische Cannabinoide beigemengt sind“, erklärte Hofmann. Auch Pilze seien noch nicht zum Test freigegeben, weil dafür spezielle „Werkzeuge“ im Labor fehlen.

Berliner Suchtberaterin: „Arbeiten mit großer Akzeptanz“

Doch vielleicht wird sich das ja künftig noch ändern und das Drug Checking wird weiter ausgebaut. „Das kommt auf den Senat an, welche Mittel und Gelder er dafür in Zukunft zur Verfügung stellt“, stellte die Suchtberaterin klar. Die gewünschte Nachfrage ist jedenfalls allemal gegeben.


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„Wir arbeiten mit einer sehr großen Akzeptanz und Wertschätzung – ich glaube, das brauchen die Menschen auch“, erläuterte Hofmann. Die anonyme, kostenlose und in erster Linie vertrauliche Beratung erreicht zahlreiche Konsumenten – und wer weiß, vielleicht ist gerade das die Lösung, um die Drogenfälle in Berlin in den Griff zu bekommen und vor allem auch die Anzahl der Drogentoten durch verunreinigte Substanzen zu minimieren.