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Berlin: Nach Kita-Streik am Dienstag – auch SIE streiken diese Woche

Die aktuelle Streikwelle in Berlin bricht nicht ab. Neben den Erziehenden und Lehrenden protestiert nun auch eine andere Berufsgruppe.

Berlin
© IMAGO/Markus Matzel

Streiks, Tarifverhandlungen, Schlichtung & Co. – so funktionieren Tarifverträge

Ein Tarifvertrag wird zwischen Arbeitgebern oder Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften geschlossen. Durch ihn muss nicht jeder Arbeitnehmer einen eigenen Arbeitsvertrag mit seinem Arbeitgeber verhandeln. In den Tarifverträgen werden unter anderem Gehalt, Arbeitszeiten und Urlaubstage festgelegt.

Am Dienstag (28. November) rufen in Berlin die Gewerkschaft Verdi und die GEW zum Streik für Erzieher und Lehrkräfte auf. Doch damit nicht genug: Auch am Mittwoch (29. November) werden wieder zahlreiche Mitarbeitende ihre Arbeit niederlegen und auf die Straßen gehen.

Diesmal sind es aber nicht etwa die Beschäftigten im Öffentlichen Dienst oder die Ärzte der Charité, wie in den vergangenen Monaten, sondern die Apotheker und deren Pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte (PKA) sowie die Pharmazeutisch-technischen Assistenten.

Droht Berliner Apotheken der wirtschaftliche Ruin?

Der Grund: Wie viele Betriebe leiden auch sie unter den Kostensteigerungen der vergangenen Monate im Bereich Energie und unter der allgemeinen Inflation. Daneben wollen sie auf den gestiegenen „Mehraufwand infolge von Lieferengpässen“ protestieren, berichtet der „Tagesspiegel.“ Aufgrund der niedrigen Honorare und der Kostensteigerungen befänden sich viele Apotheken mittlerweile in einer schlechten finanziellen Lage, so Stefan Schmidt vom Berliner Apotheker-Verein.


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Es droht für viele der wirtschaftliche Ruin. Nicht zuletzt deshalb mussten allein 2023 „schon 19 Apotheken dichtgemacht“ werden. Das hat auch Folgen für die Berliner: „Es gibt Stadtteile, in denen die Leute lange Wege in Kauf nehmen müssen, weil es in ihrer Umgebung keine Apotheken mehr gibt“, erklärt Schmidt.

Forderung nach höheren Honoraren

Was dagegen helfen würde, wäre eine Erhöhung des Honorare, die die Apotheken von den Krankenkassen für verschreibungspflichtigen Medikamente erhalten. Dieses liegt derzeit bei 8,35 Euro pro Arzneimittel und wurde zuletzt 2013 erhöht – also lange vor den aktuellen politischen Krisen und den daraus resultierenden finanziellen Folgen. Die Apotheken wollen zukünftig einen Fixbetrag von 12 Euro.

Doch seitens der Krankenkassen stößt diese Forderung auf wenig Gehör. Sie „argumentieren, dass Apotheken nicht nur die Pauschale, sondern auch drei Prozent vom Einkaufspreis erhielten. Weil Medikamente in den vergangenen Jahren immer teurer geworden seien, hätten sich somit auch die Einnahmen der Apotheken erhöht“, heißt es im Bericht des „Tagesspiegels.“

Hohe Streikbeteiligung erwartet

Ob eine Einigung bevorsteht, ist deshalb unklar. Wichtig ist hierbei allerdings, dass es kein üblicher Streik wie bei der Verdi ist, denn es geht nicht um Tarifregelungen. Apotheker arbeiten selbstständig.

Stefan Schmidt geht dennoch von einer hohen Beteiligung aus. „Der Frust in den Apotheken ist riesengroß“, erklärt er. Deshalb bleiben am Mittwoch „die meisten Berliner Apotheken geschlossen“, so der „Tagesspiegel.“ Insgesamt gäbe es aber 26 Notdienst-Apotheken – die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung ist also sichergestellt.


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Nicht nur die Hauptstadt ist betroffen, „auch in den anderen ostdeutschen Bundesländern werden die Apotheken am Mittwoch streiken. Die zentrale Kundgebung findet in Dresden statt.“